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Dinner for Two - oder: not the same procedure as every year





Dieses Jahr wird alles anders. Dieses Jahr feiern will Silvester allein. Ohne Party. Ohne Reisen. Ohne Stress. Nur mit uns. Mein Mann und ich. Ich und mein Mann, den ich ab jetzt, Achtung Vorsatz, der Einfachheit halber „Mo“ nennen werde, da ich mich so furchtbar alt und erwachsen fühle, wenn ich „Mann“ sage und mir nach „Gatte“ und „bessere Hälfte“ auch langsam die Synonyme ausgehen. 

Silvester allein also. Das vermied, nach den vollgepackten Weihnachtstagen, tatsächlich sehr viel Stress und sparte Zeit. Keine Überlegungen über mein Silvester-Outfit, keine Reiseplanungen, keine horrenden Ausgaben für ein großes Essen, Eintrittskarten oder Feuerwerksgedöns. 

Mein Silvester-Outfit, welches ich sonst bereits Wochen zuvor in meinem Kopf hin und her stylte, bestand aus einer Leggins und einem langen Wollpullover. Nicht einmal geschminkt habe ich mich. Wir verbrachten den letzten Tag des Jahres 2015 größtenteils im Bett und netflixten vor uns hin. Endlich mal „The Breakfast Club“ nachgeholt, nur irgendwie gar nicht so cool gefunden, wie immer gedacht. 

Um 19:00 schaltete ich wild durch alle Sender, um den Anfang von "Dinner for One" nicht zu verpassen. Als ich mich endlich mit der Fernbedienung in den hohen, zweistelligen Bereich des Fernsehprogrammes geklickt hatte, stolperte James bereits zum zweiten Mal über den Kopf des Tigerfells. Aber der Silvester-Abend wäre nicht der Silvester-Abend wenn der 90. Geburtstag nicht auch um 19:10 Uhr auf einem anderen dritten Programm gefeiert würde.  

Zum wohl dreißigsten Mal in meinem Leben schaute ich "Dinner for One" und es war das erste Mal, dass ich den vom Videotext angebotenen Untertitel dazu schaltete. Tatsächlich hatte ich über die Jahre nie komplett verstanden, was anfangs gesagt und später nur noch gelallt wurde. Um anschließend das neuerworbene Wissen zu komplettieren, informierte ich mich in Freddy Frintons Wikipedia-Eintrag über die Hintergründe dieses bekannten Sketches. Ich fand unter Anderem heraus, dass es auch eine Schweizer Version gibt. Eine kürzere. Aus einer anderen Perspektive. Sehr seltsam und einfach nicht dasselbe, wie ich einige Tage später auf You Tube feststellten konnte. 

Nach „Dinner for One“ wollten auch wir dinieren und so machte ich mich langsam ans Schmelzen des Käses für das Fondue. Die Betonung liegt hierbei auf langsam. Das gebratene Fleisch war mittlerweile schon wieder kalt, als der Inhalt des Fondue-Topfes endlich die gewünschte Käsigkeit erreicht hatte. Zum Fondue wurde der Film "Happy New Year" gereicht, der zeitgleich im Fernsehen lief und uns visuell schon ein wenig auf den Jahreswechsel einstimmte. Akustisch wurden wir schon seit dem Vormittag ins neue Jahr geschickt. Scheinbar wurden allerseits die teuer gekauften Knaller, Heuler und Böller ausprobiert. Vorsichtshalber. Damit man noch was nachkaufen kann, falls es nicht laut genug knallt. Feuerprobe - haha - bestanden, sag ich mal. Es war laut genug.

Gegen 23 Uhr war es Zeit einen Mantel übers Joggingoutfit zu werfen und mit einer Flasche Sekt im Bottlebag in Mo’s Büro zu fahren. Der siebte Stock des Bürogebäudes bot eine ganz passable Draufsicht auf all das, was sich bald abspielen würde. Beziehungsweise bereits abspielte, denn schon eine Stunde vor Mitternacht kam der Himmel keine Sekunde ohne einen Feuerwerkskörper aus. 

Ich habe wohl zu viele Horrorfilme gesehen oder Videospiele gespielt, die in verlassenen Häusern spielen. Als Mo kurz und ohne mir Bescheid zu geben auf dem Klo verschwand, überkam mich so ganz alleine eine bizarre Angst, ein bewaffneter Fremder würde sich leise hinter mir anschleichen und mich kaltblütig und feige erschießen oder gegebenenfalls meinem zum Rausgucken weit aus dem Fenster gelehnten Körper einen kleinen Schupps geben. Auch als Mo wieder da war, schaute ich mich immer mal wieder um und inspizierte die Ecken des großen Büroraumes. War aber nie jemand da. 

Auf dem Bildschirm feierten Caught in the Act ihr Comeback am Brandenburger Tor. Sogar Rednex war da und sang sehr wahrscheinlich in völliger Neubesetzung den „Cotton Eye Joe“. Dennoch klang es verdächtig genauso, wie auf meiner alten Bravo Hits Best of `94 Kassette. Wir füllten ein Schlückchen Sekt in die mitgebrachten Gläser und fragten uns, ob sich das Feuerwerk da draußen tatsächlich noch steigern konnte. Eine durchschnittliche Countdown-Länge später, sahen wir die Antwort. Das Feuerwerk verdreifachte sich vor unseren Augen und Kameralinsen. „Caught in the Act“ sang uns erneut mit einem Medley aus den 90ern ins Jahr 2016. 

Nach wenigen Minuten war von der schönen Aussicht nicht mehr viel übrig. Qualm und Nebel lag über der Stadt. Wir wollten jetzt auch wie der Nebel sein. Wir wollten auch liegen. Langsam waberten wir an knallenden Knallern und heulenden Heulern vorbei, immer in der Hoffnung, dass die Knallwütigen noch bei Sinnen waren und fahrende Autos nicht attackierten. Szenen, die ich sicherlich aus bösen Filmen und Videospielen, kannte.

Mit dem restlichen Sekt und Weintrauben kuschelten wir uns zurück ins Bett und lauschten den Knallern, Böllern und Heulern und Heulern und Böllern und Knallern... Wenn das ganze Knallen tatsächlich in irgendeiner Weise etwas damit zu tun hat, dass böse Geister vertrieben werden, dann kann 2016 ja nur ein glorreiches Jahr werden.




Merry Christmas - oder: Ich packe meinen Koffer



Langsam manövriere ich mich das Treppenhaus hinunter. Über meinen Schultern hängen, gleichmäßig verteilt, insgesamt fünf Taschen. In den Händen zwei Mülltüten und eine Cola-Flasche. Über dem kleinen Finger hängt mein Schlüssel. Vor mir poltert der Gatte mit den prall gefüllten Koffern nach unten. 

Ich gehe in Gedanken die wichtigsten Dinge durch, die ich in den nächsten Tagen brauchen werde und versuche mich zu erinnern, ob ich ebendiese gerade noch in der Hand hielt, um sie in den Koffer zu packen. 

Der stressigste Tag in der Weihnachtszeit ist alle Jahre wieder der, an dem es in die Heimat geht. Und alle Jahre wieder bin ich aufs Neue unvorbereitet. 

Ich muss noch die letzten Geschenke einpacken. Eines noch ausdrucken. Wie packt man runde Sachen ein, verdammt. Das Klebeband ist alle. Fingernägel lackieren. Wäsche abhängen. Eigentlich wollt ich noch meine Haare tönen. Ich muss packen. Was ziehe ich eigentlich an? Heilig Abend. Am ersten Weihnachtsfeiertag. Am zweiten. Und an den Tagen danach, an denen noch mehr Familie besucht wird. Bleibt das Wetter so? Welche Strumpfhose war nochmal die ohne Loch? Und welche Schuhe passen zu allem? Ach Mist, die Waschmaschine ist fertig. 

Brauche ich Hausschuhe? Das Ladegerät nicht vergessen. Welches Buch nehm ich mit? Und guck dann nicht rein. Geschirrspüler anschalten. Fingernägel neu lackieren. Diesmal richtig trocknen lassen. Wo sind eigentlich die Schlittschuhe? Und warum funktioniert heute das Internet nicht? Achja, die Waschmaschine war ja fertig. 

Muss ich Duschbad mitnehmen oder krieg morgen sowieso welches geschenkt? Die Reste im Kühlschrank, die sich dann doch keiner nochmal aufwärmen wollte, werf ich mal weg. Die drei Käsewürstchen? Werden Proviant. Die angefangene Cola auch. Nicht den neuen Schoko-Bailey's vergessen. Der Müll muss noch runter.  Doch noch Haare tönen. Und fönen. Nehm ich den Laptop mit? 

Ist der Herd aus? War der Herd heut schon an? Ist das Fenster im Schlafzimmer noch offen? Hast du abgeschlossen? Geh schon mal vor. Hast du die Zahnpasta eingepackt? Ich glaub wir haben alles. Ist das richtig, dass der Müll auf dem Rücksitz liegt? Fahr einfach los. 

Na dann, frohes Fest. 

Vomiting Rainbows - oder: Der Post von letzter Woche


Letzten Montag habe ich mich beim Schreiben der nun folgenden Geschichte für die termingerechte Veröffentlichung auf meinem eigenen Blog disqualifiziert. Aus mir noch immer rätselhaften Gründen, hatte ich die Erfahrung, über die ich eigentlich leichtfüßig berichten wollte, noch nicht so ganz verdaut. Ich hatte nicht nur einen Post geschrieben, sondern auch eine kleine Hassbotschaft an die damalige Verantwortliche, die man auch ohne Brille zwischen den Zeilen entdecken konnte. Eben so gar nicht leni-like. Nach dieser leicht irritierenden Erfahrung habe ich mich wieder berappelt, in alte Posts vergraben und bin mir meiner Schreibe wieder bewusst geworden. Jetzt knöpfe ich mir den Text noch mal vor, wäre doch gelacht.

Die Vorgeschichte


Ehe ich endlich zu meiner geheimnisvollen Geschichte komme, muss ich noch ein wenig um den heißen Brei herum reden. Vor nun mittlerweile zwei Wochen erregte ein kleiner, sozialmedialer Vorfall mein Gemüt und schob das zehn Jahre alte Erlebnis zurück in mein Gedächtnis. In nichts banalerem als einem Taff-Beitrag sollte über die Socialmedia-App Snapchat berichtet werden, die es ermöglicht, einmalig Fotos und maximal 10sekündige Videos, zu teilen. So mancher hat in letzter Zeit eventuell vom Phänomen „Regenbogen  kotzen“ gehört...ja, genau: das ist Snapchat.  

Reisebloggerin Christine Neder (lilies_diary), sollte als "Expertin" über die Faszination und den Nutzen der App sprechen, insbesondere für sie als Bloggerin. Das erfuhr ich jedoch nicht bei Taff, sondern weil ich Christines Snapchat Geschichten schon seit einer Weile verfolge und sie dort ganz aufgeregt und voller Vorfreude darüber berichtete. Sie snappte auch während der Beitrag gedreht wurde - natürlich, soll ja auch alles realistisch sein. Denkste.

In der folgenden Woche zeigte Taff einen Beitrag über die snapchatsüchtige Christine, die sich bis zu 6 Stunden am Tag von der Außenwelt isoliert. Sogar ihr Freund schäme sich mittlerweile so sehr für ihre Sucht, dass er nicht für Aufnahmen vor die Kamera treten wolle. 

Da wunderte sich nicht nur Christine und wütete auf ihrem Blog (Link) gegen die Redakteurin, die nur wenige Sätze aus dem zweistündigen Interview benutzt und sich somit auf Christines Kosten einen vermeintlich interessanteren Beitrag zusammen gebastelt hatte. Neben viel Zustimmung rauschte der Reisebloggerin daraufhin jedoch auch viel Schlaubergertum entgegen. Sie sei ja so naiv. Bei einem Format wie Taff hätte sie doch nichts anderes erwarten können. 

Verdrehte Tatsachen


Die verdrehten Tatsachen im Fall der Christine N. kamen mir nur allzu bekannt vor. Vor etwas über zehn Jahren habe ich den Fehler gemacht, mein Abiball-Styling in die Hände einer RTL-Redakteurin zu legen. 

Wir schreiben das Jahr 2005. Eines Tages im vermutlich verregneten April, ich hatte wohl gerade RTL geschaut und mal wieder überlegt, was ich zum Abiball anziehen sollte, schrieb ich ohne viel darüber nachzudenken eine E-Mail an die Punkt 12-Redaktion. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Wortlaut: 

 „Wir feiern unseren Abiball im Ballsaal eines vornehmen Hotels. Mein Freund und ich würden gern dementsprechend gekleidet sein, wissen aber nicht, wo wir in unserer Kleinstadt das passende Outfit finden sollen.“ 

Die Redakteurin sah in meiner Anfrage wohl die perfekte Story für die „Besser Stylen“-Rubrik und schrieb mir umgehend zurück. Wenige E-Mails später hatte ich ein RTL-Kamerateam samt Stylisten für den Abiball klar gemacht und musste mir fortan keine Gedanken mehr um mein Outfit machen. Geschweige denn über dessen Preis. 

Eine Woche vor dem großen Tag schrieb die Redakteurin, dass der Stylist am Wochenende unseres Abiballs nun leider doch keine Zeit hat, da er Barbara Becker beim Anziehen helfen muss. Als Plan B schlug sie vor, dass wir stattdessen nach Berlin kommen sollten. Anstatt also in-Reihe-gehen und Händeschütteln für unsere Zeugnisübergabe zu proben, fuhren wir kurz vor knapp mit dem Zug nach Berlin. Extra kaum geschminkt und so basic gekleidet wie möglich, damit das Vorher/Nachher-Ergebnis umso beeindruckender ist.

"Ihr müsst unbedingt sagen, wenn euch was nicht gefällt",


versuchte uns das Kamerateam einzutrichtern, während wir bei laufendem Motor warteten, dass Redakteurin und Stylist High Heels für mich kauften. Sie sprachen aus Erfahrung, was mir erst später so richtig bewusst werden würde. 

Im hippen Friseursalon knüpfte mir der hippe Friseur einen mir bis dato noch unbekannten und deshalb umso exotischen Fischgrätenzopf und ließ ihn durch Rauszupfen kleiner Strähnen besonders messy aussehen. Da die Frisur nicht bis übermorgen halten würde, stand sie für mich sowieso nicht im Mittelpunkt. Die Hairstylistin mit dem ironischen Vokuhila zauberte meinem damaligen Freund Highlights in die Spitzen und schnitt ein paar Millimeter ab. Natürlich in umgekehrter Reihenfolge. 

Nach drei Anläufen für ein Mini-Interview über unsere Abiturnoten, winkte uns der Stylist mit der typischen Handbewegung in eine kleine Boutique, die dem Friseurladen in seiner Hippness ins Nichts nachstand. Für ein paar Schnittbilder hielten wir uns gegenseitig Kleidungsstücke vors Gesicht, schüttelten mit gerümpfter Nase den Kopf oder nickten wohlwollend. Das erste Outfit war auserkoren. Schwarzer Anzug und schwarzes Hemd für ihn und ein schwarzes Kleid mit tiiiiiefem Rückenausschnitt für mich. Wir sahen aus wie die Beckhams. Aufgrund des Rückenausschnittes war das Kleid leider nicht BH-kompatibel - ein Ausschlusskriterium. Der Stylist erklärte in die Kamera, dass dies ein sehr klassisches Outfit sei, aber, dass das sicher noch besser ginge. Er reichte uns das komplette Kontrastprogramm in die Umkleidekabine. Einen weißen Leinenanzug mit fliederfarbenem Hemd und ein farblich passendes Blümchenkleid, welches auffällig gut zu meinem verspielten Zopf passte. 

Das 30-jährige Ich würde beim Anblick dieses Outfits, insbesondere beim Anblick meiner damaligen Figur, sofort zuschlagen. Herrje, warum weiß man eigentlich während man eine super Figur oder tolle Haare hat, ebendiese nicht zu schätzen, sondern erst, wenn man sich Jahre später Fotos davon anguckt?? Meinem 20-jährigen Ich war aber der Ausschnitt zu groß und da ich nicht auf der Suche nach einem sommerlichen 70er-Jahre Outfit war, sondern nach einer feierlichen Robe, fiel auch dieses Outfit durch. 

Drehschluss


Die beiden Outfits, dazugehörige Interviews und Schnittbilder abgedreht, war für die Redakteurin der Beitrag im Kasten. Sie stand dann schon mal draußen und rauchte. Mittlerweile war auch ihr Mann mit Kind gekommen und sie warteten gemeinsam auf ihren Feierabend...wollten noch Essen gehen. Ich hingegen durchwühlte immer noch den Laden, auf der Suche nach einem langen Kleid. Der Stylist fragte mich, warum mir seine Auswahl nicht gefiel und schaute mich fragend an, als ich ihm sagte, wonach ich gerade suchte. Hatte ihm die Redakteurin wohl vergessen zu sagen. Wahrscheinlich hätte ihm die Suche nach einer Abendrobe ebenso Spaß bereitet. Sowas kennt er ja sicher von Babs. 

Nagut. Dann feiern wir halt als David Beckham und Posh Spice verkleidet das Ende unserer Schulzeit. „Die schwarzen Outfits?“, fragte die Redakteurin, die aufgeraucht hatte und fragen wollte, was denn nun ist. Sie zog scharf die Luft durch die Zähne: „Da sprengt leider schon das Jacket unser gesamtes Budget. Das können wir leider nicht machen.“ Schade, hatte ich doch immer angenommen, dass die Protagonisten solcher Beiträge verschiedene Outfits anprobierten, um sich am Ende für eines davon zu entscheiden. War wohl ein Missverständnis meinerseits. Die Zeit drängte. Das mitgebrachte Kind wurde langsam quengelig. 

Letztendlich entschied ich mich für ein Kleid, welches man ungefähr als das genaue Gegenteil des weißen Leinenanzuges bezeichnen konnte. Es war schwarz und wurde vorne mit einem Reißverschluss geschlossen. Hinten hatte es drei Schnallen, unter denen man hervorragend den BH verstecken konnte. Also eben nicht hervorragend. 

Aber pssst, eigentlich darf das keiner wissen


Am Ende des Tages fuhren wir mit dem Kamerateam und dem Stylisten - die Redakteurin aß währendessen wahrscheinlich schon ihren Nachtisch - in einen Park und mimten für die Kamera das glückliche Paar mit dem lässigen, fliederfarbenen Wunschoutfit. Denn wie wir einige Wochen später bei der Ausstrahlung des Beitrages erfuhren, war es unser erklärtes Ziel gewesen, bei unserem Abiball „auf gar keinen Fall fpiefig“ auszusehen, so die Anmoderation von Katja Burkard. 

Wenn ich mir heute die Fotos vom Abiball anschaue, sehe ich trotz Allem eine lächelnde und glückliche Leni, die mit Freunden und Familie das Ende ihrer Schulzeit feiert. Damals war es okay. Es war irgendwie dumm gelaufen, aber zumindest hatte ich ein Kleid und dank Kontakte meiner Mutter noch einen kurzfristigen Termin beim Friseur bekommen. Mit dem nicht perfekten Outfit hatte ich wahrscheinlich auch schon letzte Woche abgeschlossen, aber nicht mit der Redakteurin, die ihre Beitragsidee „lässiger Abiball“ durchgesetzt und uns als unwissende Laien-Darsteller dafür eingesetzt hat. Durch Christines Taff-Beitrag wurde die Wut noch einmal geweckt und bis in meine Fingerspitzen geschürt, sodass ich nicht in der Lage war, so darüber zu schreiben, wie ich eigentlich vor hatte. Ich hoffe, mit diesem Text habe ich nun endlich alle übrigen Krümel dieser Geschichte weg geknabbert.
 



Say Yes To The Dress - oder: doch lieber zur Katze im Sack



Als Kind wickelte ich mich gern in die bodenlangen Gardinen vom Wohnzimmerfenster und schritt bedächtig mit dem Vorhang auf dem Kopf zum imaginären Altar bis der Schleier weg und meine Haare elektrisch aufgeladen waren. Im November letzten Jahres wollte ich aus dem Vorhang ein echtes Kleid machen und begab mich in einen Laden für Brautmoden. Neun Monate vor der Hochzeit - ich weiß, ein furchtbar knappes Zeitfenster, das sollte ich noch ein paar Mal zu hören bekommen.

(Diese hanebüchenen Lieferzeiten von 6 Monaten, der Reservierungsvorlauf von Locations von circa 2 Jahren und der ach so schnell wechselnde Goldpreis als Druckmittel sich gefälligst schnell und überstürzt für das Kleid, das Restaurant und die Ringe entscheiden zu müssen, sind wahrscheinlich einen ganz eigenen Blogpost wert)

Nicht ohne einen Termin zu vereinbaren, betraten wir an diesem kalten Freitagvormittag ein Brautmodengeschäft in Berlin-Tegel. Begleitet wurde ich von meiner Schwester, einer gewissen Vorfreude, aber auch von einer Prise Vorwissen, dass ich heute kein Kleid für mich finden würde. Zumindest keines, was sich mit meinem Gewissen vereinbaren ließe. Mit einem Gläschen Sekt in der Hand durchforstete ich das Dickicht aus weißem Tüll und Spitze und pflückte mir fünf Kleider von der Stange, bei denen mir Rückenausschnitt, Träger, Spitzenbesatz, Rockteil oder Material gefielen - jeweils.

Ich stecke fest

 

In einem kleinen Separee reichte man mir einen Reifrock, der als Basis für all meine auserwählten Kleider dienen sollte. Als erstes nahm meine persönliche Anziehhilfe meinen Favoriten vom Bügel und hielt ihn mir zum Eintauchen hin. Ich machte einen Kopfsprung in diesen Kindheitstraum aus Tüll und verwandelte mich - wie von Zauberhand - in eine Prinzessin. Schon erstaunlich was so ein Kleid aus meinem winterblassen Leib machen konnte. Ein Schleier tat sein Übriges und ich hatte meinen kleinen, brautigen Oho-Effekt. Ich betrachtete mich eine Weile im Spiegel. Im Film stehen die werdenden Bräute immer auf einem mit weißem Teppich ummantelten Podest, drehen und bestaunen sich von allen Seiten. Mein Podest war ein rosa Tritthöckerchen mit Disney-Prinzessinnen-Aufdruck, auf das man kleine Mädchen stellt, damit sie beim Zähneputzen besser ans Waschbecken reichen. Das Plastik-Höckerchen und die schwere Last aus circa 16 Lagen Stoff, die mittlerweile an mir zogen, holten mich zurück auf den Boden der Tatsachen. Die Frage nach dem Preis ohrfeigte mich gänzlich zurück in die Realität. 1100 Euro sollte die Robe kosten - mindestens die Hälfte davon ging auf den strassbesetzten Gürtel zurück, den ich in meiner gedanklichen Umänderung bereits mit einem schlichten, grauen Band ersetzt hatte. Noch dazu hielt das Kleid dem Realitätscheck Nummer 2 nicht Stand, hätte es doch, um bei der Trauung am Strand von Malibu dabei sein zu können, im Flugzeug seinen eigenen Sitzplatz benötigt. Und auch das Tanzen oder gar das bloße Herumlaufen bei der später folgenden Feier in Deutschland, wäre nach einigen Stunden ein echtes Workout geworden. Nicht auszumalen, wie man in dem Ding aufs Klo gehen sollte. Nachdem meine Schwester noch ein paar Abschiedsfotos gemacht hatte, entstieg ich dem Wattebausch und verabschiedete mich von diesem Traum in Weiß. 

Die Brautkleid-Beraterin hatte währenddessen bereits das nächste Modell zum Anziehen entschnürt und ich bereitete meinen zweiten Tauchgang vor. Leider hatte sie den Entknotungsgrad verschätzt und ich blieb auf halber Strecke mit den Armen in der Luft im Kleid stecken. Die Beraterin tat ihr Bestes, mich schnellstmöglich aus meiner misslichen Lage zu befreien und schnürte sich die Finger wund. Ein Malheur, was an diesem Tag noch einmal geschehen sollte und kichernd fotografisch festgehalten wurde. Trotz aller Bemühungen und Widrigkeiten kamen die nachfolgenden Modelle nicht an das erste heran. Und selbst dieses war zwar ein wunderschönes Kleid für eine Prinzessinen-Mottoparty, aber ganz nüchtern betrachtet nichts für meine Hochzeit. Nichtsdestotrotz war am Ende dieses circa einstündigen Besuchs mein Handyakku leer fotografiert und mein Kleinmädchen-Wunschtraum, einmal ein Sahnebaiser zu sein, vorerst gestillt.
Sahnebaiser vs. Reality

Was soll ich bloß anziehen? 

 

So lange ich denken kann, wollte ich bei meiner Hochzeit etwas so Bauschiges tragen, dass ich mich bedenkenlos hätte auf den Hintern fallen lassen können, ohne mir dabei das Steißbein zu prellen. Jetzt, wo das Ganze aber langsam real wurde, ließ ich diese Seifenblase selbst zerplatzen und verbrachte die folgenden Wochen damit, eine neue Vision von dem zusammen zu pinnen, was ich am Tag der Tage tragen wollte. Ein Kleid schaffte es immer wieder aufs Neue meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Immer wieder besuchte ich es auf seiner Website, traute mich aber nicht, es zu mir nach Hause einzuladen. Es war mittlerweile März und meine Lust nochmal ein Brautmodengeschäft zu betreten gleich null. Laut Aussage aller Hochzeitsmessen-Aussteller war es jetzt auch schon viel zu spät überhaupt noch an die pünktliche Anschaffung eines Kleides in diesem Sommer zu denken. 

Aus einem optimistischen Impuls heraus beschloss ich, das Risiko einzugehen und die Katze im Sack zu bestellen. Ich orderte zu diesem Bandeau-Brautkleid zusätzliche Träger und einen seitlichen Schlitz. Nach circa 4 Wochen zeigte die Sendungsverfolgung, dass das Kleid seine chinesische Heimat verlassen hatte und ich begann wie besessen das Paket stündlich zu tracken. Endlich bekam ich die Mitteilung, dass das Paket zugestellt wurde - leider bei meinem Nachbarn, der dummerweise nicht zu Hause war - sodass ich noch eine weitere Nacht warten musste, um zu erfahren, ob ich absoluten Müll oder vielleicht doch mein Hochzeitskleid bestellt hatte. 

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten (Reißverschluss am Rücken alleine zu zu machen), der Erkenntnis, dass das Kleid ohne Träger doch viel besser aussieht und der Feststellung, dass da seitlich kein Schlitz gemacht wurde, freundeten das Kleid und ich uns an und sahen uns von nun an häufiger. Meinem Plan, für die Hochzeit ein paar Pfunde purzeln zu lassen, wurde mittendrin jäh ein Ende gesetzt, als ich bei einer wiederholten Anprobe bemerkte, dass das Kleid obenrum recht locker saß, insbesondere, da ich die Träger wieder entfernen lassen hatte. Beim Einatmen, also mit geschwelltem Brustkorb, saß es jedoch perfekt. Nachdem ich einige Tage hin und her gegrübelt, verschiedenen Änderungsschneidereien konsultiert und auch schon mit dem Gedanken gespielt hatte, das Kleid nochmal neu, nur in kleiner, zu bestellen, kam ich letztendlich doch zu dem Schluss, dass die einfachste und günstigste Lösung, die richtige Atemtechnik war. Ich war mittlerweile wirklich sehr genügsam geworden. Im Nachhinein ärgere ich mich höchstens darüber, dass ich die Technik nicht durchgängig angewandt habe und sich das Kleid auf manchen Fotos obenrum recht atmungsaktiv zeigt.
 Aber mit einem Kleid, was nicht das Doppelte, sondern vielleicht gerade mal ein Drittel meiner Monatsmiete kostete, war es dann gar nicht so schlimm, dass es bei der Trauung dank einer Welle nass wurde und ich zunächst unfreiwillig und später "Ach-scheiß-drauf"-freiwillig bis zum Knie im Wasser stand. Letztendlich war mir nicht mehr wichtig wie ich heiratete, sondern wen. Und für die Feier im nächsten Jahr stöbere ich liebend gern nochmal im Internet.

Foto: Armen Sarvar

Dirty Thirty - oder: Wo ist nur die Zeit geblieben?


Ich sitze allein auf dem Bett im dunklen Schlafzimmer. Mein Radiowecker auf dem Nachttisch zeigt kurz nach Mitternacht. Vielleicht geht die Uhr nicht ganz richtig oder da draußen läuft irgendwas nicht nach Plan. Ich lege mich hin, starre an die Decke und frage mich, ob ich bereit für das bin, was gleich passieren wird. Ehe ich mir antworten kann, öffnet sich die Tür. Eine Hand hilft mir hoch und hält mir die Augen zu. Obwohl ich meine Wohnung sehr gut kenne und ich geführt werde, suchen meine Hände Wände zum Festhalten und Langhangeln. Nach wenigen unbeholfenen Schritten bin ich im Wohnzimmer angekommen und darf jetzt auch wieder gucken. Viele kleine Kerzen stecken in einem Kuchen aus doppelter Schokolade, strahlen mich an und wollen ausgepustet werden, bevor sie ihr Fundament besudeln. Ehe ich mir was wünschen kann, singt mein Mann noch sein Ständchen zu Ende und wünscht ihn mir dann: Einen schönen 30. Geburtstag! 

Dreißig.


Eigentlich ist es doch ein ganz normaler Geburtstag, wie jeder andere auch. Außer, dass man bei diesem Geburtstag besonders oft an das erreichte Alter erinnert wird, sei es durch extra große und besonders hübsch verzierte Dreien und Nullen auf den Glückwunschkarten oder auch in Form einer Brille in Dreißigform, die einem auf der Party aufgesetzt wird. Damit wurde es mir besonders leicht gemacht, die Welt durch die Augen einer Dreißigjährigen zu sehen und die gänzlich gegensätzliche Zeit der Zwanziger hinter mir zu lassen. 

Ich bin jetzt in dem Alter - ob ich mir das gerade selbst so definiere oder andere Thirtysomethings das genauso sehen, sei mal dahingestellt - jedenfalls bin ich für meinen Teil in einem Alter, in dem ich immer noch jugendlich verrückt eine Schüssel Nesquik-Cornflakes zum Mittag essen kann, während ich mir ächzend von einer Massagematte die verspannten Schultern durchkneten lasse und parallel halbwegs professionell meiner Arbeit am Computer nachgehe. Ich stecke im Jahrzehnt zwischen den zwanglosen Zwanzigern und den verantwortungsvollen Vierzigern, um es mal schwiegermuttergesucht-esque auszudrücken. Eine Dekade, die mir gefallen könnte. The best of both worlds. In zehn Jahren mag ich darüber anders denken und beginne womöglich von den frivolen Fünfzigern zu philosophieren. 

"Wo ist nur die Zeit geblieben?" 


...könnte man jetzt rhetorisch fragen, dazu lächelnd nicken und den Blick in die Ferne schweifen lassen. Klar war der Abiball gefühlt irgendwie gerade erst, aber irgendwie bin ich in der Zwischenzeit auch vier Mal umgezogen, habe ein Studium abgeschlossen, hatte mehrere Arbeitgeber, habe sogar kurzzeitig in den USA gelebt, dort einen Mann kennengelernt und den auch gleich weggeheiratet. Ich habe Heerscharen neuer Menschen kennengelernt, zahllose Gespräche geführt, massenhaft Erfahrungen gemacht und aus etlichen Fehlern gelernt. Eigentlich erstaunlich, dass ich das alles so schnell geschafft habe.

Aber manche Dinge brauchen halt seine Zeit. Zeit im Kopf zu einer guten Idee heranzureifen. Zeit diese Idee dann umzusetzen und zu merken, dass es eine gute war. Dass ich heute gern Rotwein trinke, hat um und bei 29 Jahre und eine Reise nach Frankreich gedauert. Meinem 20-jährigen Ich den Tipp zu geben, doch schon früher mal einen Old Amsterdam mit Feigensenf zu kombinieren, um ihn dann auf der Zunge zergehen zu lassen und diese Köstlichkeit mit einem kräftigen Montepulciano d'Abruzzo abzurunden, wäre bei diesem alkoholabstinenten Starrkopf, der ich war, auf taube Ohren gestoßen. Von einem anderen Brillenmodell hätte ich mich da wahrscheinlich eher überzeugen können. (Rahmenlose Brillen sind immer noch Brillen und nicht unsichtbar.)

Was mir grob wichtig war, wusste ich jedoch auch damals schon. Ganz bescheiden und frei von Superlativen antwortete ich im Abibuch auf die Frage, wie mein Leben in 10 Jahren aussieht: "Ich lebe mit meiner kleinen Familie in einer schönen Wohnung und habe eine gute Arbeit, die mir Spaß macht." Mal abgesehen davon das mein 20-jähriges Ich da eine ganz andere Familie vor Augen hatte, die Wohnung höchstwahrscheinlich sogar in einer anderen Stadt angesiedelt hätte und beim Job nicht mal im Entferntesten meinen heutigen hätte erraten können, habe ich mit dieser vagen Umschreibung meines Wunsches dennoch ins Schwarze getroffen.

Wenn ich mir all das vor Augen führe, bin ich ganz froh, dass ich endlich 30 bin und damit das, was die Zeit bis hier hin aus mir gemacht hat.





NYE - The day formally known as Silvester


Der letzte Tag des Jahres. Heute machen wir uns alle nochmal schick und sagen "Tschüss 2014, war schön. WM-Sieg, Conchita Wurst und so. Vielen Dank für die Blumen. Aber die ganzen verschwundenen Flugzeuge und Ebola waren nicht so cool, nicht zu vergessen, dass Leonardo DiCaprio schon wieder haarscharf am Oscar vorbei geschrammt ist. Das muss nächstes Jahr besser werden." 

Naja. Sail away. Das Leben geht weiter. Und zwar mit der unfassbaren Jahreszahl 2015, an die wir uns frühestens im Februar gewöhnt haben und von da an auf Formularen nur noch Ort und Datum verwechseln, letzteres aber wenigstens richtig schreiben können.  

Saßen wir nicht gerade erst mit einer lächerlichen 2000-Brille auf dem Sofa und haben etwas ängstlich das Millennium begrüßt? Ein Gedanke, den wahrscheinlich jeder Zweite so oder so ähnlich dieser Tage hat. Aber genau wie das Jahr 2000 ist auch der Abiball, die Hochzeit von Hinz und Kunz und das Sommermärchen gerade erst gewesen. Und mein Neffe, der just geboren wurde, kann sich mittlerweile auch schon hervorragend allein die Schuhe zu binden. 

Was mag das nächste Jahr wohl bringen? Neider? Viel Geld? Oder Ärger mit Handwerkern? Laut der Rückseite meiner Bleigießen-Verpackung erwartet mich all dies, wenn ich heute Nacht die äußerst wahrscheinliche Form eines Eimers, Moos oder die Umrisse eines Pinsels ergieße. Meistens siehts ja aus, wie erstarrtes Blei, welches man in kaltes Wasser gegossen hat, nur dafür steht in der Beschreibung keine Deutung. 

Egal was das Blei heute sagt, prophezeie ich mal ganz vorsichtig und ohne Druck, dass 2015 das beste Jahr meines bisherigen Lebens werden wird. Das ist zumindest mein guter Vorsatz fürs neue Jahr. 

Und Sit-ups machen. 


Christmas Shopping - oder: Jetzt nur noch Geschenke finden



Ich bin noch gar nicht richtig in Weihnachtsstimmung. Irgendwie habe ich dieses Jahr den Schmück-Zeitpunkt verpasst und sitze nun in einer saisonunabhängigen Wohnung, ganz ohne Schwibbogen, Adventskranz und Räucherhäuschen. Einzig die Lichterkette auf dem Balkon ist an und sagt mir, dass bald Weihnachten oder zumindest gerade Winter ist. Aber das auch nur, weil sie schon seit letztem Jahr dort hängt. 
Ich hab auch noch gar nicht so richtig Geschenke besorgt. Vor circa einer Woche betrat ich im Reißverschlussverfahren ein Kaufhaus und versuchte für jeden in meiner unmittelbaren Verwandtschaft das richtige Geschenk zu finden. Aber da ich schon vor drei Jahren nicht mehr wusste, was ich X, Y oder gar Z schenken sollte, weiß ich es in diesem Jahr erst recht nicht. Dabei macht Schenken doch so großen Spaß. Sollte es zumindest. Aber eben nicht wenn man noch am Vormittag des 24. Dezember fieberhaft versucht ein Präsent für Person Z zu finden und letzten Endes irgendwas kauft, was man abends am liebsten nur zwischen Tür und Angel überreichen mag, damit man ja nicht Zeuge des Auspackens und der gespielten Freude werden muss, aufgrund der man dann anfängt das Geschenk zu rechtfertigen ("Du meintest doch letztens, du badest manchmal und da du gern Schokolade isst, dachte ich, dieser Badezusatz.....") und damit alles nur noch schlimmer macht.  
 
Dann doch lieber eine andere Taktik verfolgen und das ganze Jahr Augen und Ohren offen halten und ans Geschenkeverteilen denken. Früher oder später, beabsichtigt oder nicht, erwähnt jeder in einem Nebensatz, was er schon immer mal haben wollte. Dies gilt es zu notieren. Wer hat nicht schon mal beim Stöbern irgendwas hoch gehalten und zur Begleitung gesagt: „Das wäre doch was für…“ Meistens hält man aber im Mai was hoch und Ostern und der Geburtstag von Punktpunktpunkt ist gegebenenfalls schon vorbei und Weihnachten noch nicht wieder in gedanklicher Reichweite gerückt. Trotzdem: Notieren! Oder direkt kaufen! Und das größte Problem kurz vor Weihnachten wird sein, das gutversteckte Geschenk in der Wohnung  wieder zu finden. 

Tatsächlich fand ich letzte Woche, als ich im Stop-and-Go alle Läden abklapperte, die die Arkaden zu bieten haben, wirklich schöne Sachen; um nicht zu sagen die perfekten Weihnachtsgeschenke. Leider fiel mir aber nur eine Person ein, die sich so wirklich darüber freuen würde….ich. So endete dieser Tag also damit, dass ich mir ein paar hübsche Ohrringe, ein teures Shampoo und einen schönen Terminkalender für 2015 kaufte. Den Rest fürs Fest hab ich gerade per Mausklick bestellt. Im Internet kann man zwar nicht so gut in Büchern blättern oder Materialien erfühlen, aber man entgeht dem Phänomen der langsam schlendernden oder plötzlich stehenbleibenden Menschen, die einem beim Shoppen gehörig auf die Nerven gehen. Besonders, wenn man gerade angestrengt nachdenken muss, in welcher Richtung noch gleich der nächste angepeilte Laden liegt, während von hinten Leute drängeln und die Augen rollen, weil man im Weg steht. 




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