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Snapchat-Addict - oder: 6 Gründe, an denen du merkst, dass du zu viel snapchattest




Andere Snapchat-User werden sich in dieser Aufzählung eventuell wieder erkennen. Leute, die mit dieser App nichts anfangen können, sie vielleicht runtergeladen haben, aber die Menüführung einfach nicht verstehen (das ging uns anfangs allen so), werden womöglich den Kopf schütteln und sich fragen, ob ich nichts Besseres zu tun habe? Das ist eine rhetorische Frage, oder? 

Ich nutze seit ungefähr September letzten Jahres Snapchat und habe auch lange gebraucht, um einen tieferen Sinn dahinter zu entdecken. Jetzt bin ich überzeugt, nutze es regelmäßig, wie einst studiVZ, facebook, später twitter und irgendwann wird diese Hochphase auch wieder vorbei sein. Eine Hochphase, die spürbar seinen Höhepunkt erreicht hat und gerade wieder langsam, aber stetig abflacht. Nicht nur, dass ich mir nicht mehr alles anschaue, was die mühsam zusammengesuchten Snapchatter posten, sondern mittlerweile Interessantes von Belanglosem zu unterscheiden weiß, so ist mir auch an anderer Stelle der überdurchschnittliche Konsum deutlich geworden. Im Folgenden sind diese Punkte, ordentlich thematisch gegliedert, aufgeschlüsselt. 

1. Alles dauert nur noch höchstens 10 Sekunden

Grundlage von Snapchat ist ja, dass die Videos oder Bilder nur allerhöchstens von zehnsekündiger Dauer sind. Man wird also bei der Aufnahme alle 10 Sekunden gezwungen, seinen Redefluss zu unterbrechen und ein neues Video zu beginnen. Das geht schnell in Fleisch und Blut über, sodass in mir bei längeren Gesprächspausen am Telefon schon öfter das Gefühl aufkam, ich müsse mein Gesprochenes zunächst abschicken, damit der andere darauf antworten kann. Außerdem war ich letztens beim Hausputz ganz erstaunt, als der Staubsauger länger als zehn Sekunden saugte, hatte ich mich doch extra schon beeilt. 

2. Und dann mach ich das und dann das, und dann das

Ich snappe aktiv nur privat und hauptsächlich mit einer besonders guten Freundin, die vor kurzem weggezogen ist. Auf diese Weise nehmen wir weiterhin am Leben des anderen teil und ich fühl mich in meinem Schreib-Kämmerlein nicht ganz so allein. An besonders hochfrequenten Tagen muss ich ihr wirklich alles mitteilen. Ich erzähle ihr, dass ich gleich den Müll runterbringe, jetzt schnell was essen muss, snappe den Kochvorgang und haste sogar zum Handy, wenn ich entschieden habe, jetzt doch noch nicht den Müll runterzubringen. All das muss sie scheinbar dringend wissen. Im Gegenzug schau ich mir aber auch an, wie sie Treppe für Treppe den Hausflur runterläuft, um im Briefkasten dann doch nur Leere vorzufinden. 
  
3. Ich komm gar nicht hinterher all den Input zu verarbeiten 

Durch Snapchat ist man auf der ganzen Welt bei allen möglichen Veranstaltungen dabei. Mit Lena backstage beim Echo, mit Mode-Bloggern beim Coachella-Festival, mit Arnold Schwarzenegger im Fitness-Studio oder mit Kim und den anderen Kardashians Ski fahren in Vail (hier im Speziellen sieht man alles nochmal aus drei bis vier verschiedenen Perspektiven). Das führt dazu, dass ich in meinen Träumen nicht nur mein eigenes Leben, sondern auch die Erlebnisse aus den Snapchat-Stories verarbeiten muss. Manchmal sind auch ganze Träume als Snaps aufgebaut. Letzteres ist sehr anstrengend und alles andere als erholsam, kommt aber auch nur vor, wenn ich kurz vorm Schlafen noch mal Snapchat checke. 

4. Im echten Leben gibt’s keinen Beautyfilter 

Sieht man beim Snappen grad irgendwie scheiße aus, ist das kein Problem. Einfach einen Filter drüber schmeißen und fertig. Wenn man das Haus verlassen muss, geht das leider nicht so einfach. Trotzdem kam mir geistesblitzartig öfter schon der Gedanke, dass ich doch einfach den Beautyfilter benutzen könnte, bevor ich zum Bäcker husche. Naja, nun muss die Bäckereifachverkäuferin die ungeschminkte Wahrheit bedienen. #nofilter

5. Immer auf der Suche nach dem nächsten Face-Swap

Seitdem man mit Snapchat spielend leicht und in Echtzeit face-swappen kann, habe ich mit fast allem in der Wohnung, das annährend wie ein Gesicht aussieht, zumindest den Versuch gestartet. Oder halt die Filter daran ausprobiert. Klappt. Manchmal. Und ist dann äußerst amüsant. Unterbricht manchmal meistens aber auch das, was man eigentlich gerade machen wollte. 

6. Zappen statt snappen

Meine Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer und ich ertappe mich, auch im „real life“ Dinge einfach wegwischen zu wollen, wenn sie mich langweilen. Besonders beim ordinären Fernsehen, kann ich mich nicht mehr lange konzentrieren und zappe in erstaunlicher Frequenz zum nächsten langweiligen Programm. Durch den Einsatz von Filtern lässt sich jedoch jedes noch so langweilige Fernseh-Programm zur amüsantesten Unterhaltung gestalten. 

In diesem Video hab ich meine gesammelten Werke, die das oben Gelesene visuell unterstützen, zusammengetragen:



Für alle Snapchatter und die, die es mal werden wollen, ist hier eine Liste mit den Snapchattern, denen ich am liebsten Folge:

Alex Beadon (thealexbeadon)
Alex ist Coach für Online-Unternehmer und lebt im sonnigen Trinidad & Tobago. Dort macht sie ganz viel Sport, meditiert, arbeitet viel, isst gesund, reist und macht nebenbei viele inspirierende und auch lustige Snaps. 

Mirella (mirellobert)
Mirella ist YouTuberin (mirellativegal), snappt häufig ihre Katzen, ab und zu aber auch mal andere lustige Dinge. Wer ihre Videos mag, mag auch ihre Snaps. Und andersrum. 

Blogger Bazaar (blogger_bazaar)
Blogger Bazaar - das sind drei Berliner Mode-Bloggerinnen. Hier geht’s um das alltägliche Bloggerleben, ob im Büro, auf der Fashion-Week, einem Fotoshooting oder bei Aufenthalten in New York, Miami oder Los Angeles. Ich bin regelmäßig voll bis obenhin mit Neid. Und im Traum schon einmal Praktikantin gewesen. Da durfte ich aber nur Frühstück holen. 

Sebastian Meinberg (heinzwescher)
Sebastian ist Moderator der Sendung „Puls TV“. Bei seinen Snaps sieht man den konzeptionellen Anspruch eines TV-Beitrages. Er kann es einfach. Unterhaltung und Witz in einem. Auch wenn’s nur darum geht, dass er seinen Kram aus Mutterns Keller räumen muss, er macht nen Beitrag draus.

Christine Neder (lilies_diary)
Christine Neder ist bekannt für ihre Snapchat-Sucht, über die schon das Fernsehen berichtete…Auch ich berichtete: "Vomiting Rainbows". Christine ist Reisebloggerin und nimmt ihre Follower gern mit. Mit ihr war ich schon in Australien, Sri Lanka und auf Sylt. Ich folge ihr aber auch gern einfach nur durch Berlin, wenn sie mit ihrem Hund Boris eine Runde dreht. 

Lena (helloleni)
Schon wirklich interessant, wie viel Lena so reisen muss. Morgens hier ein Interview, abends da ne Show, dann Proben, Konzerte, Echo, wieder Interviews, dann zwischendurch mal The Voice drehen und dann ein Musikvideo. Bei so viel Stress guck ich dann lieber einfach nur gemütlich vom Bett aus zu. 

Kylie Jenner (kylizzlemynizzl)
Manchmal muss man sich durch minutenlange Duckfaces zu Rapmusik quälen, die sie meistens zeigt, während sie in einem ihrer drei Autos durch LA gefahren wird, doch dann kommt immer mal wieder ein Highlight. Denn manchmal dreht Kylie kleine, selbstironische Snapfilme und hat dabei ein Highclass-Cast direkt an der Hand. Hier ein Beispiel mit Kim und Kanye: Link  

Manchmal snappe ich auch aktiv, folgt mir, wenn ihr das nicht verpassen wollt (einfach Code abfotografieren und in Snapchat hinzufügen oder unter dem Namen lostleni)


 
 

 


Vomiting Rainbows - oder: Der Post von letzter Woche


Letzten Montag habe ich mich beim Schreiben der nun folgenden Geschichte für die termingerechte Veröffentlichung auf meinem eigenen Blog disqualifiziert. Aus mir noch immer rätselhaften Gründen, hatte ich die Erfahrung, über die ich eigentlich leichtfüßig berichten wollte, noch nicht so ganz verdaut. Ich hatte nicht nur einen Post geschrieben, sondern auch eine kleine Hassbotschaft an die damalige Verantwortliche, die man auch ohne Brille zwischen den Zeilen entdecken konnte. Eben so gar nicht leni-like. Nach dieser leicht irritierenden Erfahrung habe ich mich wieder berappelt, in alte Posts vergraben und bin mir meiner Schreibe wieder bewusst geworden. Jetzt knöpfe ich mir den Text noch mal vor, wäre doch gelacht.

Die Vorgeschichte


Ehe ich endlich zu meiner geheimnisvollen Geschichte komme, muss ich noch ein wenig um den heißen Brei herum reden. Vor nun mittlerweile zwei Wochen erregte ein kleiner, sozialmedialer Vorfall mein Gemüt und schob das zehn Jahre alte Erlebnis zurück in mein Gedächtnis. In nichts banalerem als einem Taff-Beitrag sollte über die Socialmedia-App Snapchat berichtet werden, die es ermöglicht, einmalig Fotos und maximal 10sekündige Videos, zu teilen. So mancher hat in letzter Zeit eventuell vom Phänomen „Regenbogen  kotzen“ gehört...ja, genau: das ist Snapchat.  

Reisebloggerin Christine Neder (lilies_diary), sollte als "Expertin" über die Faszination und den Nutzen der App sprechen, insbesondere für sie als Bloggerin. Das erfuhr ich jedoch nicht bei Taff, sondern weil ich Christines Snapchat Geschichten schon seit einer Weile verfolge und sie dort ganz aufgeregt und voller Vorfreude darüber berichtete. Sie snappte auch während der Beitrag gedreht wurde - natürlich, soll ja auch alles realistisch sein. Denkste.

In der folgenden Woche zeigte Taff einen Beitrag über die snapchatsüchtige Christine, die sich bis zu 6 Stunden am Tag von der Außenwelt isoliert. Sogar ihr Freund schäme sich mittlerweile so sehr für ihre Sucht, dass er nicht für Aufnahmen vor die Kamera treten wolle. 

Da wunderte sich nicht nur Christine und wütete auf ihrem Blog (Link) gegen die Redakteurin, die nur wenige Sätze aus dem zweistündigen Interview benutzt und sich somit auf Christines Kosten einen vermeintlich interessanteren Beitrag zusammen gebastelt hatte. Neben viel Zustimmung rauschte der Reisebloggerin daraufhin jedoch auch viel Schlaubergertum entgegen. Sie sei ja so naiv. Bei einem Format wie Taff hätte sie doch nichts anderes erwarten können. 

Verdrehte Tatsachen


Die verdrehten Tatsachen im Fall der Christine N. kamen mir nur allzu bekannt vor. Vor etwas über zehn Jahren habe ich den Fehler gemacht, mein Abiball-Styling in die Hände einer RTL-Redakteurin zu legen. 

Wir schreiben das Jahr 2005. Eines Tages im vermutlich verregneten April, ich hatte wohl gerade RTL geschaut und mal wieder überlegt, was ich zum Abiball anziehen sollte, schrieb ich ohne viel darüber nachzudenken eine E-Mail an die Punkt 12-Redaktion. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Wortlaut: 

 „Wir feiern unseren Abiball im Ballsaal eines vornehmen Hotels. Mein Freund und ich würden gern dementsprechend gekleidet sein, wissen aber nicht, wo wir in unserer Kleinstadt das passende Outfit finden sollen.“ 

Die Redakteurin sah in meiner Anfrage wohl die perfekte Story für die „Besser Stylen“-Rubrik und schrieb mir umgehend zurück. Wenige E-Mails später hatte ich ein RTL-Kamerateam samt Stylisten für den Abiball klar gemacht und musste mir fortan keine Gedanken mehr um mein Outfit machen. Geschweige denn über dessen Preis. 

Eine Woche vor dem großen Tag schrieb die Redakteurin, dass der Stylist am Wochenende unseres Abiballs nun leider doch keine Zeit hat, da er Barbara Becker beim Anziehen helfen muss. Als Plan B schlug sie vor, dass wir stattdessen nach Berlin kommen sollten. Anstatt also in-Reihe-gehen und Händeschütteln für unsere Zeugnisübergabe zu proben, fuhren wir kurz vor knapp mit dem Zug nach Berlin. Extra kaum geschminkt und so basic gekleidet wie möglich, damit das Vorher/Nachher-Ergebnis umso beeindruckender ist.

"Ihr müsst unbedingt sagen, wenn euch was nicht gefällt",


versuchte uns das Kamerateam einzutrichtern, während wir bei laufendem Motor warteten, dass Redakteurin und Stylist High Heels für mich kauften. Sie sprachen aus Erfahrung, was mir erst später so richtig bewusst werden würde. 

Im hippen Friseursalon knüpfte mir der hippe Friseur einen mir bis dato noch unbekannten und deshalb umso exotischen Fischgrätenzopf und ließ ihn durch Rauszupfen kleiner Strähnen besonders messy aussehen. Da die Frisur nicht bis übermorgen halten würde, stand sie für mich sowieso nicht im Mittelpunkt. Die Hairstylistin mit dem ironischen Vokuhila zauberte meinem damaligen Freund Highlights in die Spitzen und schnitt ein paar Millimeter ab. Natürlich in umgekehrter Reihenfolge. 

Nach drei Anläufen für ein Mini-Interview über unsere Abiturnoten, winkte uns der Stylist mit der typischen Handbewegung in eine kleine Boutique, die dem Friseurladen in seiner Hippness ins Nichts nachstand. Für ein paar Schnittbilder hielten wir uns gegenseitig Kleidungsstücke vors Gesicht, schüttelten mit gerümpfter Nase den Kopf oder nickten wohlwollend. Das erste Outfit war auserkoren. Schwarzer Anzug und schwarzes Hemd für ihn und ein schwarzes Kleid mit tiiiiiefem Rückenausschnitt für mich. Wir sahen aus wie die Beckhams. Aufgrund des Rückenausschnittes war das Kleid leider nicht BH-kompatibel - ein Ausschlusskriterium. Der Stylist erklärte in die Kamera, dass dies ein sehr klassisches Outfit sei, aber, dass das sicher noch besser ginge. Er reichte uns das komplette Kontrastprogramm in die Umkleidekabine. Einen weißen Leinenanzug mit fliederfarbenem Hemd und ein farblich passendes Blümchenkleid, welches auffällig gut zu meinem verspielten Zopf passte. 

Das 30-jährige Ich würde beim Anblick dieses Outfits, insbesondere beim Anblick meiner damaligen Figur, sofort zuschlagen. Herrje, warum weiß man eigentlich während man eine super Figur oder tolle Haare hat, ebendiese nicht zu schätzen, sondern erst, wenn man sich Jahre später Fotos davon anguckt?? Meinem 20-jährigen Ich war aber der Ausschnitt zu groß und da ich nicht auf der Suche nach einem sommerlichen 70er-Jahre Outfit war, sondern nach einer feierlichen Robe, fiel auch dieses Outfit durch. 

Drehschluss


Die beiden Outfits, dazugehörige Interviews und Schnittbilder abgedreht, war für die Redakteurin der Beitrag im Kasten. Sie stand dann schon mal draußen und rauchte. Mittlerweile war auch ihr Mann mit Kind gekommen und sie warteten gemeinsam auf ihren Feierabend...wollten noch Essen gehen. Ich hingegen durchwühlte immer noch den Laden, auf der Suche nach einem langen Kleid. Der Stylist fragte mich, warum mir seine Auswahl nicht gefiel und schaute mich fragend an, als ich ihm sagte, wonach ich gerade suchte. Hatte ihm die Redakteurin wohl vergessen zu sagen. Wahrscheinlich hätte ihm die Suche nach einer Abendrobe ebenso Spaß bereitet. Sowas kennt er ja sicher von Babs. 

Nagut. Dann feiern wir halt als David Beckham und Posh Spice verkleidet das Ende unserer Schulzeit. „Die schwarzen Outfits?“, fragte die Redakteurin, die aufgeraucht hatte und fragen wollte, was denn nun ist. Sie zog scharf die Luft durch die Zähne: „Da sprengt leider schon das Jacket unser gesamtes Budget. Das können wir leider nicht machen.“ Schade, hatte ich doch immer angenommen, dass die Protagonisten solcher Beiträge verschiedene Outfits anprobierten, um sich am Ende für eines davon zu entscheiden. War wohl ein Missverständnis meinerseits. Die Zeit drängte. Das mitgebrachte Kind wurde langsam quengelig. 

Letztendlich entschied ich mich für ein Kleid, welches man ungefähr als das genaue Gegenteil des weißen Leinenanzuges bezeichnen konnte. Es war schwarz und wurde vorne mit einem Reißverschluss geschlossen. Hinten hatte es drei Schnallen, unter denen man hervorragend den BH verstecken konnte. Also eben nicht hervorragend. 

Aber pssst, eigentlich darf das keiner wissen


Am Ende des Tages fuhren wir mit dem Kamerateam und dem Stylisten - die Redakteurin aß währendessen wahrscheinlich schon ihren Nachtisch - in einen Park und mimten für die Kamera das glückliche Paar mit dem lässigen, fliederfarbenen Wunschoutfit. Denn wie wir einige Wochen später bei der Ausstrahlung des Beitrages erfuhren, war es unser erklärtes Ziel gewesen, bei unserem Abiball „auf gar keinen Fall fpiefig“ auszusehen, so die Anmoderation von Katja Burkard. 

Wenn ich mir heute die Fotos vom Abiball anschaue, sehe ich trotz Allem eine lächelnde und glückliche Leni, die mit Freunden und Familie das Ende ihrer Schulzeit feiert. Damals war es okay. Es war irgendwie dumm gelaufen, aber zumindest hatte ich ein Kleid und dank Kontakte meiner Mutter noch einen kurzfristigen Termin beim Friseur bekommen. Mit dem nicht perfekten Outfit hatte ich wahrscheinlich auch schon letzte Woche abgeschlossen, aber nicht mit der Redakteurin, die ihre Beitragsidee „lässiger Abiball“ durchgesetzt und uns als unwissende Laien-Darsteller dafür eingesetzt hat. Durch Christines Taff-Beitrag wurde die Wut noch einmal geweckt und bis in meine Fingerspitzen geschürt, sodass ich nicht in der Lage war, so darüber zu schreiben, wie ich eigentlich vor hatte. Ich hoffe, mit diesem Text habe ich nun endlich alle übrigen Krümel dieser Geschichte weg geknabbert.
 



...Loading - oder: Eine Abhängigkeitserklärung





Mein Internet bewegt sich heute auf einem Geschwindigkeitsniveau von 2001. Eine Zeit, in der ich meine Abende mit der neuen Freizeitbeschäftigung „chatten“ verbrachte und in der man zwischen dem Klick auf den Enter-Button und dem Öffnen des Chatfensters genug Zeit hatte, nochmal aufs Klo zu gehen.

Ich googelte damals noch mit lycos und fragte den Babelfish nach Übersetzungen. Wenn man irgendwo hin wollte, druckte man sich bei falk.de einen Routenplan aus und folgte den Anweisungen. Heute bin ich unterwegs ohne mein internetfähiges Handy (und ohne ausgedruckten Routenplan) nahezu aufgeschmissen. In letzter Zeit beschließt mein iPhone sich auch schon mal bei 17% Restakku zu verabschieden. Vor kurzem geschah dies mitten in Pankow. Ich hatte gerade eine Freundin in einer mir weniger bekannten Gegend besucht und machte mich auf dem Heimweg, für den ich zuerst Bus und dann S-Bahn benötigte. Aber: Wann kommt der Bus? Ohne Fahrplan-App gibt es für die Beantwortung dieser Frage glücklicherweise den Aushang des Busfahrplans an der Bushaltestelle. Ich erfuhr, dass der Bus immer 1, 21 und 41 kommt. Jetzt die banalere Frage: Wie spät ist es? Seit mehreren Jahren verlasse ich mich ausschließlich auf mein Handy, wenn es um die Uhrzeit geht. Auf den Bus warten, wenn man nicht weiß, wann er so ungefähr kommt, ist eine semi-spaßige Lotterie. Ich befürchtete nach wenigen Minuten bereits hunderte von Textnachrichten oder eine weltbewegendes Ereignis verpasst zu haben und verspürte den Drang jemanden per Whatsapp über meine missliche Lage in Kenntnis zu setzen. All meine Gedanken kreisten um Dinge, die mir nur mein ausgegangenes iPhone hätte erfüllen können. Das erinnerte mich an die Momente, in denen man bei einem  Stromausfall - wissend, dass man nicht Fernsehen kann - vorschlägt, dann doch einfach eine DVD zu schauen. 

Auch jetzt ist das Wörtchen „Senden“ in Whatsapp ausgegraut und vor meinen Snapchat-Nachrichten dreht sich der Ladebalken seit Unendlichkeiten im Kreis. Da ich mich also nicht, wie geplant, ziellos durchs Internet klicken kann, meine Apps so keinen Spaß machen und auch netflixen keine Option ist, lese ich zunächst einmal ein Buch. In diesem Falle allerdings eine Verzweiflungstat, da es sich um den Titel „Orange is the new Black“ handelt und das Lesen somit den Versuch eines warmen Entzugs nach gestriger Beendigung der dritten Staffel darstellt. 

Ich weiß gar nicht, ob ich froh sein oder mich ärgern sollte, dass meine Schulzeit bereits beendet war, bevor das Internet und Smartphones ihre extreme Entwicklung voranschreiten ließen. Vielleicht hätte eine Mathe-App meine vielen Nachhilfestunden ersetzen können. Vielleicht hätten YouTube-Erklär-Videos meine naturwissenschaftliche Insuffizienz heilen und mir damit besser durch die Schulzeit helfen können, als so manches Lehrbuch. Ich bin dann aber doch ziemlich sicher, dass mich die neue Technik eher abgelenkt, als das sie mir geholfen hätte. Meine einzige Ablenkung war damals nur das nachmittägliche Fernsehprogramm, bei dem ich zumindest bei der Werbung einen Anstoß fand für die nächsten sieben Minuten konzentriert weiter zu arbeiten. Bei YouTube kann man die Werbung nach fünf Sekunden wegklicken. Und wie sehr man sich auch anstrengt, nach circa drei Lehrvideos, kann man nicht widerstehen, kurz mal (alle) „ThankYou-Notes“ von Jimmy Fallon anzuschauen, nur um wenige Klicks später in den Tiefen von YouTube zu versinken. Ehe man sich versieht ist es zwei Stunden später und man kommt langsam wieder zu sich, während sich auf dem Bildschirm jemand in einem siebenminütigen Video seine zehn Jahre alten Dreadlocks rausbürstet.

Meine zukünftigen Kinder werden mich mit krauser Stirn anschauen, wenn ich ihnen zu erklären versuche, dass ich zu meiner Zeit sechs verschiedene Geräte mit in den Urlaub nehmen musste, um zu telefonieren, zu fotografieren, zu navigieren, zu filmen, Musik zu hören und Tetris zu spielen. Heutigen Kindern ist vielleicht weder Tetris ein Begriff, noch erschließt sich ihnen der Zusammenhang, warum es Telefon „abnehmen“ und „auflegen“ heißt, slided man heute doch eher einen Anruf entgegen oder drückt einen virtuellen, grünen Knopf. Gott sei Dank hat es sich ja größtenteils wieder eingebürgert, dass Telefone wieder „klingeln“. Ab und zu dröhnt in der S-Bahn jedoch immer noch eine übersteuerte Version von „Atemlos“ los und eine Frau Mitte 40 beginnt plötzlich hastig in ihrer Tasche zu kramen.  

Mittlerweile hat mein Internet wieder Normalgeschwindigkeit erreicht. Zur Lösung des Problems habe ich den Router mehrmals an- und wieder ausgeschaltet. Dennoch wage ich es zu bezweifeln, dass dies wirklich den Fehler behoben hat. Ich les noch schnell das Kapitel zu Ende und google dann mal, was eigentlich aus lycos geworden ist.  

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