Getting Shit Done – oder: Wie man sein eigener Chef ist




Brot und Salz? Ach danke, das wäre doch nicht nötig gewesen. Dabei bin ich gar nicht umgezogen. Ich habe hier auf dem Blog einfach nur ein bisschen umdekodiert, hab die Schaltflächen gewischt, frische Banner hingestellt und schon sieht alles aus wie neu. Und das hat auch seinen Grund. In den letzten Monaten ist viel passiert. Ich habe meine Weiterbildung abgeschlossen, mich als freie Autorin selbstständig gemacht, habe geheiratet, bin durch Kalifornien geflittert und bin 30 geworden. Anders gesagt: Ich habe ein Potpourri an Themen angesammelt, die es schriftlich aufzubereiten gilt. Regelmäßig. Ab jetzt. 

Endlich Selbstständig


Ich bin jetzt also tatsächlich selbstständig. So ganz habe ich das noch nicht realisiert. Ich habe keinen Chef mehr, der mir auf die Finger schaut. Ich kann machen, was ich will. Das ist gut, oder? Andererseits habe ich jetzt keinen Chef mehr, der mir auf die Finger schaut. Und ich kann machen, was ich will. Wenn man am Ende des Tages irgendwas geschafft haben möchte, sollte man das „was ich will“ ein wenig genauer definieren. Ich will meine eigene Chefin sein. Neben all dem Spaß, den wir zusammen haben, muss sie aber auch kritisieren, harte Deadlines setzen und auch die doofen Aufgaben verteilen.  
Nachdem ich schon einige Monate mehr oder weniger auf mich selbst gestellt bin, was die Arbeit angeht, hier und da eine Weiterbildung und ein Coaching absolviert habe, aber den Rest der Zeit frei einteilen konnte, habe ich gemerkt, dass ich nicht ganz so gut darin bin, mich selbst zu organisieren. Nein, das stimmt eigentlich nicht. Das kann ich eigentlich schon ganz gut, ich dürste sogar sehr nach Ordnung und einem Plan, aber ich habe Schwierigkeiten mich daran zu halten.  In meinem Kopf ist ein Knäuel von Dingen, die ich machen will. Verschiedenste Dinge. Blog-Posts schreiben, Konzepte entwickeln, meine Homepage einrichten, eine neue Brille bestellen, das Hochzeits-Fotobuch gestalten, ein Buch lesen, Rechnungen schreiben, Serien verfolgen, meinen Arbeitsplatz neu organisieren etc. 

So viele Dinge wollen erledigt werden und am liebsten alle gleichzeitig. Das führt dazu, dass ich alles ein bisschen anfange und es dann, nach der erstbesten Ablenkung, liegen bleibt. Ich habe zwar das Gefühl, ich hätte schon was gemacht, aber kann noch nicht den berühmten und so befriedigenden Haken dahinter machen. Das soll jetzt anders werden. Ich plane jetzt alles. Und ich meine wirklich alles. Ich denke sogar schon darüber nach, mir das Lackieren meiner Fingernägel in den Kalender einzutragen, denn beim Anblick des abgeblätterten Nagellackes drängt sich die Tatsache auf, dass ich das ansonsten nicht gebacken kriege.  

Immer wieder sonntags


Gestern Abend habe ich mich hingesetzt und mir überlegt, was ich in der kommenden Woche alles schaffen möchte. Für jeden Lebensbereich, für jedes Projekt, an dem ich arbeite, auch für die Freizeit, habe ich ein Ziel aufgestellt und anschließend überlegt, welche Schritte und wie viel Zeitaufwand nötig sind, es zu erreichen. Jeden Sonntag werde ich meine Woche auf diese Weise voraus planen, in der Hoffnung, dass ich die Termine mit mir selbst einhalten werde.
Für heute habe ich mir das Schreiben dieses Posts vorgenommen, für den ich zu diesem Zeitpunkt noch minus 80 Minuten Zeit habe. Neben dem Blog stehen noch zwei weitere Punkte auf dem Plan. Das sieht stark nach Überstunden aus. Selbst Schuld. Aber habe ja schließlich gerade erst angefangen bei mir zu arbeiten. Ich übe noch.

Möglicherweise muss ich, besonders für den Anfang, größere Zeitfenster einplanen oder mich einfach beim nächsten Mal nicht durch YouTube-Videos und Wäsche aufhängen ablenken lassen. Oder ich führe das Planen ad absurdum und takte auch dafür genaue Zeitfenster ein. 10 Minuten Wäsche aufhängen, anschließend 1 Stunde konzentriert Schreiben, dann ist Zeit für ein YouTube Video mit parallelem Nägel lackieren. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das eventuell tatsächlich einen Testlauf wert. 

Diese Zeitbegrenzungen sind, wie ich jetzt bereits merke, essentiell. Wenn ich mich erstmal eingearbeitet habe und das Ganze plötzlich großen Spaß macht, könnte ich stundenlang weiter frickeln, neue Formulierungen finden, hier und da was verbessen und nochmal und nochmal und nochmal Korrektur lesen. Mit der zeitlichen Beschränkung, die man Sonntagabend festlegt, kreiert man Tage zuvor die Chefin, die leicht angenervt auf die Uhr schielt und dir ein „Jetzt musst du aber langsam mal fertig werden“ ins Ohr raunt. 

Meine Chefin hat gesagt…


Zumindest habe ich hiermit mein längerfristiges Vorhaben gestartet, jeden Montag einen neuen Post zu veröffentlichen. Schon beim Schreiben dieser letzten Zeile bin ich mir nicht mehr sicher, ob es so klug war, dieses Vorhaben öffentlich kundzutun. Weil meine Chefin das aber so will, lass ich es mal so stehen – sie sagt, so sei der Druck größer wirklich regelmäßig was zu schreiben. Mal sehen, ob sie damit Recht behält.  





Stuck In The Middle - oder: Leichte Brise im Nacken




Es ist 9:05 Uhr und ich laufe die Treppe zur U-Bahn hinunter. Der U-Bahn-Wind weht mir Staub in die Augen und ich hoffe inständig, dass nicht meine wegfahrende Bahn diesen Luftzug verursacht. Endlich sehe ich die Anzeigetafel. Glück gehabt! Noch 1 Minute.

Ich laufe bis ans Ende des Gleises, da ich in acht Stationen dort auch wieder aussteigen muss und hoffe damit, das morgendliche Ausweichspiel auf dem vollen Bahnsteig verkürzen zu können. Die U-Bahn fährt ein und beherbergt Menschen, die sich heute scheinbar besonders lieb haben. Wenn die S-Bahn streikt, ist auch die U-Bahn betroffen. Die Tür öffnet sich nicht. Niemand möchte die kuschelige Rundfahrt verlassen und ich entscheide, nach einem kurzen Blick auf die Uhr, dass ich auch nicht stören möchte. Ich warte auf die nächste Bahn, wohl wissend, dass diese auch nicht viel leerer sein wird. Andere scheinen keine Zeit zu haben und quetschen sich unter jauchzenden Freudenbekundungen zu den Anderen. Die Türen gehen wieder zu. Die Hälfte einer Tasche bleibt draußen. Die Bahn fährt los.

Fünf Minuten später. Neue Bahn. Gleicher Anblick. Die Türen öffnen sich und die Bahn gebiert drei Leute, die sich hastig abklopfen und auf wackligen Beinen das Weite suchen. Ich habe jetzt auch keine andere Wahl, als mitzufahren. Ich mache einen Schritt in die Bahn und bleibe genauso für die nächsten zehn Minuten stehen. Mit zwei Fingern kann ich mich am Haltegriff abstützen, um bei der nächsten Bremsung keinen Dominoeffekt auszulösen. Von rechts oben wird mir in den Nacken geatmet. Von links haut die Kante einer Tasche in meine Rippen. Jemand hat gestern viel Knoblauch gegessen.

Noch eine Station bis zum Alexanderplatz. Hier will ich raus. Hier wollen alle raus. Eine Frau beginnt aber jetzt schon sich von ihrem Sitz zu erheben und sich durch die Menge zu quetschen. Sie möchte wohl als allererste von uns aussteigen und bahnt sich ihren Weg in Richtung Tür. Die Frau hat es gerade 2 m weit geschafft, da sind wir auch schon angekommen. Endstation. Bitte alle raushasten. Die Türen öffnen sich. Ich und meine Mitfahrer quellen über den Bahnsteig. Ich begebe mich in Richtung Rolltreppe, auf der mir jeden Tag aufs Neue ein Spruch in den Kopf kommt: „Links gehen, rechts stehen.“ Diesen Leitsatz scheint nicht jeder zu kennen, aber heute ist sowieso alles egal. Heute stehen einfach mal alle.

Ich verlasse über meinen routinierten Weg den Bahnhof, um nun mit dem Bus weiterzufahren. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass er in vier Minuten kommen müsste. Diesen Satz zu Ende gedacht, fährt er auch schon an mir vorbei. Nach fünfzehn Minuten, der nächste Bus scheint diesmal zu spät zu kommen, beginnt mein Kopf mit seinem Lieblingsspiel: Warte ich noch weiter auf den Bus oder geh ich wieder runter zur U-Bahn? Der Bus hat die klaren Vorteile, dass er nicht so voll ist und schneller ankommt. Die U-Bahn ist…die U-Bahn. Als ich gerade auf dem Absatz kehrt machen und mich meinem Schicksal stellen will, glänzt der gelbe Bus am Horizont.

Wenn es darum geht in ein öffentliches Verkehrsmittel einzusteigen, ist kein Mann mehr ein Gentleman. So lasse ich die zwei Männer, die gerade noch neben mir auf die sich öffnende Bustür gewartet haben, einsteigen und tue es ihnen danach gleich. An diesem besonderen Tag kann ich tatsächlich noch ein Plätzchen ganz hinten ergattern. Ich setze mich und habe für die nächsten fünf Minuten einen Rucksack gefährlich nah vor dem Gesicht hängen. Meine Fahrt dauert eigentlich 15 Minuten, aber niemand hat mit dem gerechnet, was an der nächsten Bushaltestelle auf uns wartet. Ein gesunder Menschenverstand hätte davon abgeraten. Eine einfache mathematische Gleichung auch. Aber plötzlich ist es dann doch um eine spanische Schulklasse lauter und enger im Bus. Nach nur wenigen Metern knallt es, der Bus bleibt stehen und senkt sich an einer Seite ab. Ich weiß bis heute nicht, was da geplatzt ist, aber die Schulklasse hat zu Hause auf jeden Fall ne richtig coole Story zu erzählen.

Also doch zur U-Bahn. Die Linien, die mich jetzt noch von meinem Ziel trennen, scheinen nicht so stark frequentiert zu sein. Ich kann sitzen und muss nur noch mein ganz persönliches Hindernis überwinden, den Hermannplatz nicht mit der Hermannstraße zu verwechseln. Ein paar Minuten später noch ein weiteres Mal umsteigen und dann hab ich es endlich geschafft. Nur zu dumm, dass ich das Ganze im Feierabendverkehr nochmal machen muss. Aber ich hab ja jetzt geübt. 


Bum Bum Pow - oder: Der Tag, an dem zu 80% die Sonner verschwand



Nichts mehr im Kühlschrank. Quasi nur noch Licht und Dinge, die zu keinem befriedigenden Mahl zubereitet werden können. Der Pfandflaschenberg in der Ecke sagt Ähnliches. Jaja, ich habe schon verstanden: Ich muss einkaufen. Wenn es so weit gekommen ist, dass ich mich selbst zum Einkauf überredet habe, stellt sich kurz darauf die große Frage des wohin?
In unmittelbarer, fußläufiger Nähe befinden sich 4 Möglichkeiten. Die erstbeste und nächste ist der kleine Laden an der Ecke. Ich habe aber gerade Lust auf Hüttenkäse-Papaya-Salat und sowas führen die da eher nicht so. Ich bin auch nicht sicher, ob LIDL Hüttenkäse im Sortiment hat, deswegen schließe ich ihn ebenfalls aus. Außerdem muss ich für LIDL eine 6-spurige Straße ohne Ampel überqueren. Da steh ich manchmal so lange, dass ich es, zeitlich, auch schon zu real hätte schaffen können, was eine U-Bahn-Station entfernt liegt. Aber real ist so unfassbar groß. Und in einem Laden, wo alles drin ist, nur nach Hüttenkäse und Papaya zu suchen, liegt mir fern. Mal außer Acht gelassen, dass man meistens ja doch mehr kauft, als man eigentlich wollte. Schließlich steht das Wochenende vor der Tür und Waschmittel ist auch alle. 

Die drei Läden ausgeschlossen, bin ich jetzt also, nach rudimentärem Make-up-Auftrag und einem missglückten Versuch Kontaktlinsen reinzumachen, auf dem Weg zu REWE. Mit Brille und meinen zwei großen Tüten voller Pfandflaschen gehe ich durch ein Wohngebiet und merke, dass es mit Schal und Winterjacke doch schon zu warm ist. In diesen Tagen sowieso ein leidiges Thema, aber vorgestern war die dünne Lederjacke noch zu kalt. Ich dachte, ich hätte mal aus einem Fehler gelernt. Die Sonne hat nach ihrer 80% Abstinenz vorhin scheinbar wieder ihre volle Kraft erreicht. Dieses Naturspektakel Sonnerfinsternis hab ich über N24 verfolgt und ab und zu auch mal selbst die Nase aus dem Fenster gehalten, um zu gucken, obs schon dunkel ist. Ich hatte leider keine Spezial-Brille, sodass ich die ganze Zeit scheinbar desinteressiert an der Sonne vorbeigegucken musste, bis sich langsam das Gefühl einschlich, das man hat, wenn man auf einer Party eine bestimmte Person, in diesem Fall Sofi, absichtlich ignoriert (sei sie die Ex deines Neuen oder die Neue deines Ex), aber eigentlich würde man schon gern genau hingucken, wie sie aussieht.  


Mit einem leichten Schweißfilm auf der Stirn erreiche ich endlich REWE. Mist, jetzt hab ich keinen Euro für den Einkaufswagen. Und der Chip lässt sich irgendwie auch nicht aus seiner Einkerbung holen. Also nehm ich wohl einen Korb. Vielleicht aber auch gar keine so schlechte Idee, ich muss schließlich den Überblick über meinen Einkauf behalten beziehungsweise über dessen Gewicht. Und wie behält man dieses besser im Blick, als es auch schon während des ganzen Einkaufes zu schleppen? Erstmal aber zum Pfandautomaten. Ich liebe ja Pfandautomaten. Es ist so schön zu sehen, wie nach und nach aus leeren Flaschen Geld wird. Nachdem ich die vollen Tüten in 5,48 EURO eingetauscht habe, gehe ich in die Obstabteilung: Papaya - Check! Außerdem Feldsalat und Erdbeeren. Dazu noch Mozzarella und ein bisschen Balsamico und fertig ist der nächste Sommersalat. 

Freitagvormittags scheinen viele Rentner einkaufen zu gehen. Fällt mir grad nur zufällig auf, während ich hinter einer grauhaarigen Frau stehe, die nicht zu wissen scheint, was sie als nächstes kaufen will und deswegen einfach mal stehen bleibt. Ich tue so, als hätte ich sowieso nach links abbiegen wollen und stehe jetzt bei den Getränken. Gefährliches Gut. Ohne an meine später schmerzenden Finger/Schultern zu denken, hau ich meinen Korb voll und mache mich langsam auf den Weg zur Kasse. Dort quengele ich so lange, bis ich mir ein BumBum kaufe und lege meine kleinen, schweren Einkäufe aufs Band. Leider waren wirklich Waschmittel und Geschirrspül-Tabs alle, die meinen Einkauf noch ein bisschen gewichtiger machen. Auf dem Heimweg heißt es Zähne zusammen beißen und mit jedem Schritt den Moment ersehnen, in dem ich die vollen Tüten abstellen kann und die roten Finger sich langsam wieder strecken lassen.


Jetzt sitze ich an meinem Schreibtisch, der Hüttenkäse-Papaya-Salat, in den ich auch noch eine Erdbeere geschnibbelt hab, ist aufgegessen und vom BumBum nur noch der Kaugummi-Stiel übrig. Mal sehen, wie lange es diesmal dauert, bis ich den Geschmack darin weggekaut habe.

Do something - oder: Mein Leben mit einem Esel



Jetzt mache ich seit fünf Wochen eine Weiterbildung zur Autorin und schreibe nicht. Was fällt mir eigentlich ein? Eigentlich ja recht viel. Da schwirrt schon einiges im Kopf herum, nur Aufschreiben war in den letzten Wochen irgendwie nicht drin. Zu viel Ablenkung. Zu viel Selbstbemängelung. Zu wenig Zeit. Zu wenig Schlaf.

Mein heutiges Seminar hat mich zum Nachdenken und mein Tintenfass zum Überlaufen gebracht, sodass ich hier jetzt einfach mal herumkleckse. Wozu hab ich denn diese Plattform namens Blog? Eigentlich sollte das neue Jahr ja ganz anders anfangen. Voller Tatendrang und Motivation galoppierte ich auf einem kraftvollen Hengst in Richtung 2015 mit einer Lanze in der einen und einem Schild in der anderen Hand, gewappnet für alles, was da kommen sollte. Doch jäh verwandelte sich der Hengst in einen Esel, der sich von Passanten ablenken und mit Möhrchen füttern lässt, mit mir oben drauf, ohne Handhabe oder Idee, das faule Langohr wieder in den energiegeladenen Vollblüter zu verwandeln. Dabei sollte 2015 doch das beste Jahr meines bisherigen Lebens werden, wie ich noch so bescheiden am Silvesterabend verkündete.

In letzter Zeit suchte ich des Öfteren das Gespräch mit mir selbst und erklärte meiner inneren Stimme, die schon echt pissig war, warum mein Blog zeitweilig brach liegt. Ich fand, meines Erachtens, auch ein ganz gutes Argument, um das plötzliche Auftauchen des Esels zu erklären: Ich war dolle, dolle krank. Am siebten Tag des Jahres 2015 bekam ich Husten und furchtbare Gliederschmerzen und ernährte mich fortan nur noch von Dosenobst und Grießbrei. Wenn ich krank bin beschränkt sich mein Appetit automatisch nur noch auf Nahrungsmittel, die sich gefahrlos zwischen zwei Hustern runterschlucken lassen. Der einmalige Versuch Müsli zu essen bestätigte meine Theorie.

21 Tage rumliegen und husten, das hört sich nach viel Zeit zum Schreiben an. Hatte ich auch gehofft, aber mein Wohlbefinden reichte nicht mal dafür aus, über längere Zeit geradeaus auf den Fernseher zu starren und endlich mal mit der Abarbeitung meiner stetig wachsenden Watchlist diverser hochgelobter Serien zu beginnen, um schließlich zu verstehen, wieso Walter White plötzlich Heisenberg heißt und warum es bei "Game of Thrones" immer schneit. Ich habe also hauptsächlich rumgelegen und mich erfolglos gesund geschlafen. Als Fazit dieser verschwendeten Lebenszeit, verkaufe ich wohl demnächst das Konzept der „Bronchitis-Diät – verliere 5kg in 3 Wochen“ an die Brigitte und bin der schmerzhaften Erkenntnis reicher, dass man sich dank starken Hustens durchaus die Rippen prellen kann.

Am richtigen Leben nahm ich erst wieder Teil, als Anfang Februar meine Weiterbildung begann. Nach 21 Tagen in der Waagerechten, bin ich seitdem wieder von 9-19 Uhr aus dem Haus. Und trotzdem sind das alles keine Ausreden, warum ich nichts geschrieben habe, denn das ist es ja, was ich machen will. Daran hat sich nichts geändert. Die Ideen kommen ja noch. Manchmal. Aber in unpassenden Momenten. Abends im Bett, müde und schläfrig, schreib ich in Gedanken die besten Sätze, die mir je eingefallen sind und versuche sie noch liegend und im Licht des Handydisplays auf den Block zu schreiben, der neben mir liegt, um auf ihm am nächsten Morgen die übereinander geschichteten Satzgebilde zu identifizieren, die irgendwie nicht mehr ganz so gut klingen, wie im nächtlichen Kreativhoch.

Während ich das hier schrieb, habe ich zwischendurch circa 26 Minuten auf Facebook und 12 Minuten mit Candy Crush verbracht (und das ist eine absolute Untertreibung). Dass ich mittlerweile in Level 635 bin, lasse ich auch mal so im Raum stehen.

Ob ich mit dieser und den 57 Zeilen darüber die Zügel meines Esels wieder in die Hand genommen habe, bleibt abzuwarten. Ich weiß nur eines und zitiere damit meinen heutigen Dozenten Christian Eisert: „Schreiben nervt, aber geschrieben haben ist toll.“


NYE - The day formally known as Silvester


Der letzte Tag des Jahres. Heute machen wir uns alle nochmal schick und sagen "Tschüss 2014, war schön. WM-Sieg, Conchita Wurst und so. Vielen Dank für die Blumen. Aber die ganzen verschwundenen Flugzeuge und Ebola waren nicht so cool, nicht zu vergessen, dass Leonardo DiCaprio schon wieder haarscharf am Oscar vorbei geschrammt ist. Das muss nächstes Jahr besser werden." 

Naja. Sail away. Das Leben geht weiter. Und zwar mit der unfassbaren Jahreszahl 2015, an die wir uns frühestens im Februar gewöhnt haben und von da an auf Formularen nur noch Ort und Datum verwechseln, letzteres aber wenigstens richtig schreiben können.  

Saßen wir nicht gerade erst mit einer lächerlichen 2000-Brille auf dem Sofa und haben etwas ängstlich das Millennium begrüßt? Ein Gedanke, den wahrscheinlich jeder Zweite so oder so ähnlich dieser Tage hat. Aber genau wie das Jahr 2000 ist auch der Abiball, die Hochzeit von Hinz und Kunz und das Sommermärchen gerade erst gewesen. Und mein Neffe, der just geboren wurde, kann sich mittlerweile auch schon hervorragend allein die Schuhe zu binden. 

Was mag das nächste Jahr wohl bringen? Neider? Viel Geld? Oder Ärger mit Handwerkern? Laut der Rückseite meiner Bleigießen-Verpackung erwartet mich all dies, wenn ich heute Nacht die äußerst wahrscheinliche Form eines Eimers, Moos oder die Umrisse eines Pinsels ergieße. Meistens siehts ja aus, wie erstarrtes Blei, welches man in kaltes Wasser gegossen hat, nur dafür steht in der Beschreibung keine Deutung. 

Egal was das Blei heute sagt, prophezeie ich mal ganz vorsichtig und ohne Druck, dass 2015 das beste Jahr meines bisherigen Lebens werden wird. Das ist zumindest mein guter Vorsatz fürs neue Jahr. 

Und Sit-ups machen. 


Christmas Shopping - oder: Jetzt nur noch Geschenke finden



Ich bin noch gar nicht richtig in Weihnachtsstimmung. Irgendwie habe ich dieses Jahr den Schmück-Zeitpunkt verpasst und sitze nun in einer saisonunabhängigen Wohnung, ganz ohne Schwibbogen, Adventskranz und Räucherhäuschen. Einzig die Lichterkette auf dem Balkon ist an und sagt mir, dass bald Weihnachten oder zumindest gerade Winter ist. Aber das auch nur, weil sie schon seit letztem Jahr dort hängt. 
Ich hab auch noch gar nicht so richtig Geschenke besorgt. Vor circa einer Woche betrat ich im Reißverschlussverfahren ein Kaufhaus und versuchte für jeden in meiner unmittelbaren Verwandtschaft das richtige Geschenk zu finden. Aber da ich schon vor drei Jahren nicht mehr wusste, was ich X, Y oder gar Z schenken sollte, weiß ich es in diesem Jahr erst recht nicht. Dabei macht Schenken doch so großen Spaß. Sollte es zumindest. Aber eben nicht wenn man noch am Vormittag des 24. Dezember fieberhaft versucht ein Präsent für Person Z zu finden und letzten Endes irgendwas kauft, was man abends am liebsten nur zwischen Tür und Angel überreichen mag, damit man ja nicht Zeuge des Auspackens und der gespielten Freude werden muss, aufgrund der man dann anfängt das Geschenk zu rechtfertigen ("Du meintest doch letztens, du badest manchmal und da du gern Schokolade isst, dachte ich, dieser Badezusatz.....") und damit alles nur noch schlimmer macht.  
 
Dann doch lieber eine andere Taktik verfolgen und das ganze Jahr Augen und Ohren offen halten und ans Geschenkeverteilen denken. Früher oder später, beabsichtigt oder nicht, erwähnt jeder in einem Nebensatz, was er schon immer mal haben wollte. Dies gilt es zu notieren. Wer hat nicht schon mal beim Stöbern irgendwas hoch gehalten und zur Begleitung gesagt: „Das wäre doch was für…“ Meistens hält man aber im Mai was hoch und Ostern und der Geburtstag von Punktpunktpunkt ist gegebenenfalls schon vorbei und Weihnachten noch nicht wieder in gedanklicher Reichweite gerückt. Trotzdem: Notieren! Oder direkt kaufen! Und das größte Problem kurz vor Weihnachten wird sein, das gutversteckte Geschenk in der Wohnung  wieder zu finden. 

Tatsächlich fand ich letzte Woche, als ich im Stop-and-Go alle Läden abklapperte, die die Arkaden zu bieten haben, wirklich schöne Sachen; um nicht zu sagen die perfekten Weihnachtsgeschenke. Leider fiel mir aber nur eine Person ein, die sich so wirklich darüber freuen würde….ich. So endete dieser Tag also damit, dass ich mir ein paar hübsche Ohrringe, ein teures Shampoo und einen schönen Terminkalender für 2015 kaufte. Den Rest fürs Fest hab ich gerade per Mausklick bestellt. Im Internet kann man zwar nicht so gut in Büchern blättern oder Materialien erfühlen, aber man entgeht dem Phänomen der langsam schlendernden oder plötzlich stehenbleibenden Menschen, die einem beim Shoppen gehörig auf die Nerven gehen. Besonders, wenn man gerade angestrengt nachdenken muss, in welcher Richtung noch gleich der nächste angepeilte Laden liegt, während von hinten Leute drängeln und die Augen rollen, weil man im Weg steht. 




Lucid In The Sky With Diamonds - oder: Ein frischer Wind zieht durchs Hirn


Kurz nach dem Aufwachen einen klaren Gedanken zu fassen, ist schier unmöglich. In diesem kurzen Moment verfügt man allenfalls über ein Drittel seines IQs und schon beim Versuch der Beantwortung einfachster Fragen gerät man ins Straucheln. So war ich vor einigen Tagen auch gehörig verwirrt, als ich durch das Klingeln eines Telefons geweckt wurde. Ich schaute mich kurz um, dann auf meinen Radiowecker: 0:00 Uhr.

Mein Traumhirn erfand umgehend eine plausible Geschichte zum Geräusch und den Umständen: Mein Verlobter stand an der Schlafzimmertür, war wohl gerade nach Hause gekommen und bekam just in diesem Moment noch einen späten Anruf. Ich war überrascht, dass ich vor Mitternacht eingeschlafen und er erst so spät nach Hause gekommen war. Ich wollte mich wieder umdrehen und weiterschlafen, aber mein Hirn war in Wallung geraten und konnte die Verwirrung nicht auf sich sitzen lassen. Langsam entwirrte mein noch matschiges Hirn das Knäuel in meinem Kopf, was ungefähr so anstrengend war, wie das Entwurschteln des Kopfhörerkabels, was man ein bisschen zu lange in der Tasche herumgetragen hat. 

Ich erinnerte mich daran, dass wir gemeinsam Abendbrot gegessen und ich noch das Ende der Wiederholung des Primetime-Filmes gesehen hatte. Ein weiterer Blick auf die Uhr brachte dann Gewissheit: 8:03. Das Klingeln war der Wecker mit trügerischem Klingelton gewesen, der Verlobte war spät dran und ich hatte mich verguckt. Mh. Trotzdem weiterschlafen. Lange Rede, Sinn kommt jetzt. Kurze Zeit später verarbeitete ich nämlich dieses einschneidende Erlebnis des Morgens in einem Traum:

Ich ließ den Moment des Erwachsens Revue passieren. Diesmal sah ich auf der Anzeige eine Uhrzeit am späten Nachmittag. Bei jedem erneuten Hinschauen wechselten die Ziffern auf eine andere spätnachmittägliche Uhrzeit. Okay, ich schlaf zurzeit echt gerne aus, aber so lange nun auch wieder nicht. Außerdem war es etwas seltsam, dass die Uhrzeit ständig wechselte. Das war mir zu viel des Surrealismus. In diesem Moment verzog sich der neblige Schleier von meinen Augen und durch mein Gehirn zog ein frischer Wind: Ich träume! Seit dem Blogpost übers luzide Träumen hatte ich circa 3-mal meine Finger gezählt, was nicht wirklich als Auseinandersetzung mit dem Thema gelten kann und dennoch ist mir ein weiterer Klartraum geglückt. Aber eigentlich auch nur das. In der Ausführung gibt es massiv Abzug in der B-Note. 

Da der Traum in der Aufwach-Situation weiterspielte, versuchte ich mich durch einen Fingerschnips anzuziehen, was im zweiten Anlauf klappte. An die nächste Aktion erinnere ich mich nicht mehr so richtig, außer dass sie erfolglos blieb und ehe ich mich versah, flog ich auch schon wieder los. Es scheint halt nichts gegen den inneren Drang des Fliegens anzukommen. Diesmal sahen die Gebäude aus wie aus ein Animationsfilm, eine kleine Verbesserung zur verpixelten Weltkarte. Jetzt wo ich so darüber nachdenke, fällt mir auch ein warum. Ich hatte am Nachmittag zuvor "Despicable Me" gesehen. Auch das wollte also verarbeitet werden. 

Während des Fluges verließ mich die Kenntnis, dass ich träumte und scheinbar auch das Bewusstsein darüber, dass sowas wie Klarträume überhaupt existierten, denn im folgenden Traum unterhielt ich mich wie selbstverständlich mit... dem Hund meiner Eltern. 




The big question - oder: Wie man ein Feuer verhindert


Die Frage ist eigentlich trivial und doch so fundamental. Es ist eine Frage, über die ich mir oft den Kopf zerbreche und die Antwort meist erst dann finde, wenn es bereits zu spät ist. Die Frage entscheidet manchmal sogar über den weiteren Verlauf meines Lebens und das Leben vieler Anderer. Denn Tag für Tag fragen sich Millionen von Menschen nur eines: "Hab ich alles?"

Ich laufe mit meinem Mini-Einkauf vom Laden um die Ecke nach Hause. Der Laden ist perfekt um spontane Gelüste zu stillen, schnödes Magenknurren zu lindern oder irgendwelche Einzelgüter, die dringend im Haushalt benötigt werden, zu kaufen. Ja, was war das noch gleich? Irgendwas Wichtiges, von dem ich hätte Nachschub besorgen müssen. Ich wünschte, es würde mir einfallen und ich könnte wie einst Mrs. McCallister statt "KEVIN", sowas wie "BUTTER" kreischen und direkt umkehren. Es ist keine Viertelstunde her, dass mir die Dringlichkeit des Nachkaufs bewusst geworden war. "Das merke ich mir.", dachte ich und vergaß es sofort. Wie heute vormittag, als ich den Tee für 8 Minuten in der Küche ziehen lassen wollte und circa 2 Stunden später nur noch eine sehr bittere Brühe vorfand.

Beim Verlassen der S-Bahn gilt ein letzter Blick immer meinem Sitzplatz und etwaiger  Hinterlassenschaften. Verlasse ich meine Wohnung, mache ich den "Alles aus, alles zu"- Check. Fenster. Heizung. Herd. Der Herd wird auch gecheckt, wenn ich seit Tagen nicht gekocht habe. Vielleicht ist er ja schon seit Tagen an?!!?! Zu übertrieben? Abwarten. Dazu habe ich eine kleine Anekdote, bei der ich gar nicht weiß, ob sie meine Herd-Neurose verschlimmert oder verbessert hat. 

Eines Tages betrat ich eine Wohnung, in der es seltsam warm war. Nach kurzer Inspektion bemerkte ich, dass der Herd noch an war, nach längerem Nachdenken, seit 3 Tagen. Denn so lange war der Bewohner nicht zu Hause gewesen. Bis auf eine leicht angekokelte Herdplatte und einer recht hohen Raumtemperatur war zum Glück nichts weiter passiert. Das war sehr beruhigend, soll aber trotzdem nicht zum Nachmachen anregen. Mein Check-up ist weiterhin präsent und auch notwendig. Vor einigen Wochen saß ich in der U-Bahn auf dem Weg zu einem Restaurant, als mir glühend heiß einfiel, in diesem Fall sehr passend, dass ich den Lockenstab nicht ausgeschaltet hatte. Oder hatte ich? Ich versuchte mich krampfhaft an die sehr hektischen letzten Minuten zu Hause zu erinnern. Es war ganz plötzlich kurz vor U-Bahn-Abfahrtszeit gewesen und musste auf einmal sehr schnell gehen. Ein Bild vom herausgezogenen Lockenstab-Stecker konnte ich mir leider nicht ins Gedächtnis rufen und musste deshalb, mit dem brennenden Haus vor dem inneren Auge, auf halben Wege umkehren. Glücklicherweise war der Lockenstab einfach nur sehr heiß und lag in einiger Entfernung zu brennbaren Materialien.

Höchstwahrscheinlich wird der heutige Nicht-Kauf des benötigten Gegenstandes kein Feuer in meiner Wohnung auslösen. Trotzdem sehr ärgerlich. Am Abend, als ich beabsichtige meine Zähne zu putzen, fällt mir nämlich urplötzlich ein, was es gewesen wäre.

21 and counting - oder: Und täglich grüßt der Mückenstich


Das hat man nun davon, wenn der Herbst so schön warm und golden ist. Es ist Anfang November und ich habe 21 Mückenstiche. Einundzwanzig. (Stand: 10.11.2014, 21:46) Echt erstaunlich, wie die Mücke allnächtlich mit ihrem Rüssel, durch Kleidung und Bettdecke hindurch, jedes Körperareal zu erreichen scheint. Anfangs war ich sehr skeptisch welcher Herkunft meine juckenden Bisse seien mögen. Zunächst vermutete ich Flöhe oder gar Bettwanzen, denn das Naheliegende war dann doch zu fern. Nicht mal im Sommer hatte ich so viel Mückenkontakt. Da waren es eher andere fliegende Kleinstlebewesen, mit denen ich flüchtige, aber prägnante Bekanntschaft machte.
Powered by Blogger.